Leidet an einer Zwangsstörung und hatte Suizidgedanken

Ich. Ein Wort mit so viel Bedeutung. Wer bin ich also und was habe ich zu sagen?
Diagnose: Mensch! Ich bin Anja, 27 Jahre alt und glücklich verheiratet. Schon im Kindesalter lief mein Leben anders als gewöhnlich. Mit 18 und dem Abitur in der Tasche versuchte ich mir das Leben zu nehmen. Ich sah nur diesen einen, endgültigen Weg.
Doch von heute auf morgen änderte sich einfach alles. Mein Mann kam in mein Leben und damit auch wieder die Lebensfreude, die Hoffnung und der Wille das alles, so chaotisch es auch war, wieder hinzubekommen.
Ich habe Zwangsgedanken. Eine Diagnose, die nicht allzu viele kennen, auch aus psychiatrischer und psychologischer Sicht nicht.
Ich nahm mein Leben selbst in die Hand, absolvierte eine Ausbildung am Berufsbildungswerk und startete danach volle Fahrt voraus endlich in mein wirklich eigenständiges Leben. Kein betreutes Wohnen, keine gesetzliche Betreuerin und auch keine Medikamente mehr! Was in einem Satz gesagt ist, war ein langer und teilweise schwerer Kampf, der sich gelohnt hat!
Was habe ich wem zu sagen? Speziell an die Kliniken und das Berufsbildungswerk: Danke. Danke an alle Ärzte und Mitarbeiter, die mich auf meinem Weg begleitet haben und es teilweise immer noch tun. Ich würde jedem Einzelnen von ihnen die Diagnose Mensch stellen, die sie eben auch ihren Patienten neben natürlich anderen zugestehen. Ich bin wirklich so dankbar, dass ich mich immer darauf verlassen kann, bei ihnen jederzeit Hilfe zu finden. Danke, dass sie an mich glauben, mich fördern und fordern und mir nicht erzählen, was alles nicht geht sondern mich stattdessen bei allen Abenteuern begleiten. Davon sollten sich einige Fachärzte eine ganze Scheibe abschneiden. Zwei würden auch nicht schaden.
An Arbeitgeber: Trauen sie sich. Leben sie Vielfalt. Wer möchte, findet Lösungen und damit auch sehr gute, zuverlässige Arbeitnehmer.
An junge Menschen, die betroffen sind: Es gibt andere Wege als den Suizid. Ja, es ist kein
Zuckerschlecken, sie zu gehen und dennoch, es gibt sie. Wenn ihr Hilfe benötigt, gerade auch bezüglich Ausbildungen oder Studiengängen: An Berufsbildungswerken lernen Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen. Die Ausbildungen finden schulisch statt mit einigen integrierten Praktika. Die ärztliche Versorgung dort ist gewährleistet und so kann Bildung und Genesung optimal zusammen passieren!
Der erste Ansprechpartner sind Arbeitsämter, Rentenkassen oder die Berufbildungswerke selbst. Von Industriekauffrau bis Elektrotechniker ist sehr viel möglich. Du wirst diesen Grundstein brauchen, um auf eigenen Beinen stehen und gehen zu können.
Trau dich! Neben der Krankheit. Lass dir nicht erzählen, dass es nicht geht! Glaub an dich und an deine Zukunft!
