Anja, 38

Leidet an einer generalisierten Angststörung und Panikattacken

Ich bin 38, hatte eine behütete Kindheit und würde sagen eine ,,normale“ Familie. Bereits als Kind spürte ich gewisse Ängste, die sich in der Schule verschlimmerten. Da man zu Hause über Gefühle jedoch nicht sprach, kam ich zum Kinderpsychologen. Irgendwann hatte ich mehr Angst vor dem Psychologen und daher schaute ich, so schnell wie möglich da nicht mehr hin zu müssen.




Später in der Ausbildung waren die Ängste wieder stärker, ich schob es auf die Prüfung und versuchte so, immer einen Grund für diese Gefühle zu finden und meinen Eltern dadurch einen nachvollziehbaren Grund für meine Ängste zu geben.

Ein paar Jahre später hatte ich in meiner Wohnung dann meine erste Panikattacke. Ich wusste nicht, was das war. Es war beängstigend, Herzrasen, alles nur noch verschwommen wahrnehmen, Angst durchzudrehen. Mein Partner hat mich dann mehr oder weniger dazu genötigt (im Nachhinein war ich froh), mich meiner Mutter anzuvertrauen. Bisher war es immer so, nichts zu sagen, unangenehme Gefühle wegzudrücken.




Wir gingen dann zum Doc und durch eine Kollegin hatte ich dann glücklicherweise eine tolle Therapeutin gefunden. Seit ca. 2006 bin ich mit Pausen in Verhaltenstherapie bei ihr.
Sie ist mein Glücksfall und konnte mir vieles erklären. Es nennt sich bei mir generalisierte Angststörung.

Es wurde immer der Fokus auf das Negative gerichtet. Über Gefühle gesprochen hat man nicht.
Noch dazu habe ich in der Kindheit einige Todesfälle im Bekanntenkreis meiner Familie mitbekommen, war bei allen Beerdigungen dabei, was meine Ängste verstärkt hat.

Ich habe in der Zeit der Therapie verstanden, warum meine ,,Gefühlskinder“ manchmal so anstrengend sind. Ich habe erwartet, dass ich mit Medikamenten nicht mehr an solche schlimmen Dinge wie Tod usw. denke. Aber dass ich die Gedanken selbst mache und die Tabletten nur ein gewisses Sicherheitsnetz bauen, muss ich immer wieder aufs Neue lernen.

Meine Therapeutin sagt, es ist eine Lebensaufgabe daran zu arbeiten und Verständnis für seine Gefühle aufzubauen. Mal gelingt es mir super, dann wieder weniger …




Was mich auch verrückt macht ist, dass ich täglich an Tod, Zukunft, Verlust etc. denke. Ich will mich immer vorbereiten und theoretisch weiß ich, dass das nicht geht. Ich mach es trotzdem und das ist teilweise sehr anstrengend. So nach dem Motto ,,Du kannst jetzt nicht fröhlich pfeifend durch die Gegend rennen, und nachher passiert was Schlimmes.“ Das kommt dann davon … Ich beschäftige mich dann auch mit so Horror Stories im Netz, Blogs von Kranken … Ich verstehe mittlerweile, dass mir das nicht gut tut aber manchmal rutscht man in sein altes Muster.

Seit ein paar Wochen Krankschreibung auf der Arbeit, 2019 hab ich dies auch im Geschäft angesprochen. Ich wollte offen über meine Panikattacken sprechen, die dann auch im Geschäft kamen. Erstaunlich war, wie viele Andere dann auch von ihren Sorgen sprachen.

Doch oft kam auch der Satz ,,Das hätten wir bei dir nie gedacht“. Auch lustige, offene Menschen können viele belastende Ängsten in sich tragen. Man sieht es den Wenigsten an …