Florian, 39

Leidet an Schizophrenie und einer schizo-affektiven Störung



Hallo, mein Name ist Florian, ich bin 39 Jahre alt, habe zwei Kinder und wir haben einen Hund. Seit meinem 18. Lebensjahr beschäftigt mich meine Erkrankung die Schizophrenie und die schizo-affektive Störung.

Hier möchte ich nun gerne meine Erfahrungen mit der Erkrankung teilen und ebenso anderen Mut machen, dass man trotz Erkrankung ein gutes Leben führen kann. Denn das kann ich aus Erfahrung bestätigen.





Wie gesagt lebe ich nun ca. 20 Jahre mit der psychischen Erkrankung. Die paranoide Schizophrenie ist bei mir damals mit meinem 18. Lebensjahr ausgebrochen. Zu dieser Zeit habe ich sehr viel in der Ausbildung gearbeitet (10-12h). Wichtig war ebenso, dass ich weiter mein großes Hobby den Fußball ausübte.

Oft war es so, dass ich direkt im Anschluss von der Arbeit zum Fußballtraining gegangen bin. Des Weiteren kam dann noch der Führerschein. Dieser Belastung konnte ich nicht mehr standhalten und somit ist die Schizophrenie ausgebrochen. Ich bekam Wahnvorstellungen, ich dachte ich werde verfolgt und andere Leute sprechen über mich. Für mich war das alles real. Diese Gedanken waren für mich so klar und ebenso wollte ich mich nicht davon abbringen lassen, was anderes zu glauben.

Meine Eltern waren mit dieser Situation überfordert, sodass sie mit mir zu einer psychologischen Beratungsstelle gingen. Diese schickten mich zu einem Psychiater und von dort ging es ins Krankenhaus. Diese Zeit war für alle sehr belastend. Ich war sechs Wochen in der Klinik und dachte danach, es muss doch nun wieder alles normal sein. Dem war leider nicht so.




Nach der Klinik begann ich meine zweite Ausbildung. Diese musste ich dann leider wieder nach nur einem halben Jahr wegen der wiederkehrenden Erkrankung abbrechen.

Nun machte ich noch eine Reha für psychisch erkrankte Menschen. Hier sah ich meine letzte Chance noch mal wieder durchzustarten. Leider musste ich auch die Reha abbrechen.

Was nun? Es ging für mich in eine WfBM (Werkstatt für Behinderte Menschen). Naja, ich dachte nun wirklich: Du bist am Tiefpunkt angekommen. 2. Arbeitsmarkt. Aber ich muss sagen, ich fühlte mich wohl unter meines Gleichen. Ich musste mich nicht beweisen. Es gab keinen Druck von Vorgesetzten und ich konnte mich entwickeln.

Schritt für Schritt ging es immer weiter. Ich habe mich dann sehr für die Mitarbeit im Werkstattrat (Beschäftigtenvertretung) engagiert. Sich für die Kollegen/innen einzusetzen hat mich auf meinen Genesungsweg sehr vorangebracht. Ich übernahm Verantwortung und ich habe gemerkt: Ich werde gebraucht.





Im Jahr 2007 lernte ich meine Freundin kennen. Sie hatte mich damals sofort so akzeptiert mit meiner Erkrankung. Ich werde nie vergessen, wo ich ihr von meiner Erkrankung und meiner Arbeit erzählt habe. Sie sagte: Das ist doch vollkommen ok. ,,Meine Mam ist auch in einer WfBM. Das ist doch nicht schlimm.“ Zum ersten Mal wurde ich trotz meiner schwerwiegenden Erkrankung geliebt und nicht verstoßen.

Es gab dann doch wieder schnell einen Schock, meine Freundin war schwanger. Heute kann ich hierzu aber sagen es war der Wendepunkt. Denn alle meine Vertrauten sprachen gegen die Schwangerschaft. Dies würde doch nicht gehen. Ich schwer krank und dann ein Kind.

Aber es sollte sich alles anders entwickeln. Es entwickelte sich alles zum Positiven. Durch die Geburt übernahm ich mehr Verantwortung und ich wuchs mit meinen Aufgaben. Ich entwickelte mich zum fürsorglichen Vater, der Verantwortung für sich und seine Familie übernahm.




Im Jahr 2015 machte ich die Ausbildung zum EX IN-Genesungsbegleiter. Dies ist eine Ausbildung für Menschen, die selbst betroffen sind. Diese absolvierte ich erfolgreich und ich arbeitete von nun an in einer Tagesstätte im professionellen Team. Hier begleitete ich die Teilnehmer/innen auf ihrem ganz persönlichen Genesungsweg.

Aktuell habe ich eine neue Herausforderung und engagiere mich nebenbei für ein Projekt, dem Aufbau eines Recovery-College in Osnabrück.

Nach langer harter Zeit bin ich nun angekommen. Ich führe ein sehr tolles Leben, trotz meiner immer noch bleibenden Krankheit. Ich gehe achtsam mit mir um und komme Tag für Tag auf meinem Genesungsweg voran.

Ganz liebe Grüße
Euer Flo