Ist Ehemann einer Betroffenen
Mein Name ist Jonas und ich bin 29 Jahre alt. Meine Frau leidet seit Jahren an mehreren psychischen Erkrankungen, die sie ständig im Alltag begleiten und sich zu immer anwesenden Kopfkrawallen zusammenfassen lassen.
Meine persönlichen Erfahrungen zum Thema psychische Erkrankungen sind teilweise Verwunderung, aber auch Verständnislosigkeit, denn in unserer Gesellschaft gibt es zu wenig Akzeptanz und Verständnis hierfür. Viele Leute erkennen es nicht als eine Krankheit an, wenn man unter Depressionen, Zwangsstörungen oder ähnlichem leidet. Es ist nunmal nicht so offensichtlich erkennbar wie ein Knieschaden oder eine andere körperliche Einschränkung.
Aus meiner indirekt betroffenen Sicht kann ich sagen, dass auch ich lernen musste, mehr Verständnis entgegen zu bringen und auch lernen musste, was es heißt darunter zu leiden. Wenn man sieht, wie belastend psychische Erkrankungen sein können, wird einem schnell klar, dass man so kein normales Leben führen kann (auch wenn es nach Außen vielleicht so scheint).
Alles fällt einem schwer, der Körper hat keine Kraft, denn der Kopf ist ständig mit seinen eigenen Kopfkrawallen ausgelastet. Selbst kleine Dinge können hier schon so belastend sein, dass der Körper einem signalisiert: „Stopp – ich kann nicht mehr und brauche jetzt eine Pause.“
Viele Leute wissen nicht mal, dass sie zum Beispiel depressiv sind, weil sie sich viel zu wenig mit dem Thema oder auch mit ihrer Gesundheit befassen. Viele Dinge scheinen einem als „normal“, sind es aber nicht immer!
Es ist einfach wichtig, wie auch bei fast allen Dingen, offen und ehrlich über das Thema zu sprechen. Man muss sich in keinster Weise für eine psychische Erkrankung schämen. Es schämt sich auch niemand für einen Knieschaden, oder?
Ich würde mir einfach wünschen, dass in Zukunft das Thema mehr Stellenwert in der Gesellschaft erreicht und einfach als normale Erkrankung gesehen wird. Eine psychische Erkrankung kann einfach jeden einzelnen treffen. Durch Anerkennung und Offenheit schaffen es vielleicht viele Leute, mehr über ihre Kopfkrawalle zu reden.
