Leidet an einer Generalisierten Angststörung und Zwangshandlungen

Ich bin Raphaela, 24 Jahre alt. Mein bisheriges Leben hat sich um viel Angst gedreht. Ich bin von klein auf sehr wohlbehütet aufgewachsen und hatte immer meine Familie hinter mir stehen. Leider musste ich schon in jungen Jahren Erfahrung mit Gewalt machen. Ich wurde fast täglich gehänselt, verspottet und verprügelt.
Lange Zeit blieb es unentdeckt bzw. waren ich und meine Eltern machtlos dagegen. Ich hatte täglich Angst in die Schule zu gehen und das obwohl ich es liebte zu lernen.

Eines Tages entdeckte eine Lehrerin im Turnunterricht meine Verletzungen und handelte zum Glück sofort. Es wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt um mir zu helfen und ich konnte nach einem Wechsel zumindest die Unterstufe noch eine tolle Schulzeit verbringen.
Nach dem Wechsel in die Oberstufe fingen die Prüfungsängste langsam an, denen ich für die nächsten Jahre ausgesetzt war. Mein Teenager-Alltag bestand aus Schule und lernen, auch am Wochenende oft 13-16h.
Ich war es von klein auf gewohnt, dass ich anders war, ich war nun mal immer sehr sensibel und ein vorsichtiger Mensch und als Außenseiterin unterwegs.
Meine Mitschüler und auch meine damaligen Lehrer machten es mir unheimlich schwer, überhaupt motiviert zu bleiben. Jede negative Note erhöhte aber meinen Kampfgeist um eine weitere Stufe, dennoch konnte es so nicht weiter gehen, da ich sonst kaputt gegangen wäre.
Ich traf also nach einem Auslandsaufenthalt, der mich unglaublich wachsen ließ, eine Entscheidung. Ich wechselte erneut nach 3 Jahren, dieses Mal aber die Schule, es war jetzt betrachtet im Nachhinein eine der besten Entscheidungen.
Ich hatte mein Ziel immer stehts vor meinen Augen – Matura und dann Rechtswissenschaften studieren. Jeder der mir sagte ,,Das schaffst du nie!“ wurde von mir nur mit Kopfschütteln und der Reaktion: „Dir beweis ich es, gerade extra“ abgehandelt.
Der Weg dazu war aber ehrlich gesagt ein einziger Kampf. So stur ich auch war, mein Durchhaltevermögen und mein Ehrgeiz waren unermüdlich. Ich schaffte es, nach vielen Stolpersteinen und Umwegen und begann tatsächlich mein Rechtswissenschaftsstudium. Dafür zog ich relativ weit von daheim weg, schließlich wollte ich endlich erwachsen sein.
Ab diesem Punkt fing es erst richtig an: Nach drei Jahren Studium war ich am absoluten Ende. Meine Studienzeit war geprägt von wiederkehrenden bis hin zu 10 Panikattacken, jeden Tag, Selbstzweifeln, Prüfungsangst und weitere Angst vor so vielen Dingen. Ich hatte Tage und Wochen, wo ich kaum aufstehen konnte, weil ich sofort mit der nächsten Attacke konfrontiert war, meine Zimmerwand fungierte nicht nur einmal als Verzweiflungspunkt.

Ich erkannte mich einfach gesagt selbst nicht mehr wieder. Jede Attacke, jeder weiterer Tag an dem ich den Symptomen ausgesetzt war, machte es nur noch schlimmer und ich war oft am Verzweifeln. So wollte und konnte ich nicht weiter machen, doch lange habe und wollte ich mir selbst nicht eingestehen, dass meine Ängste mich komplett einnehmen und meinen Alltag bestimmen, einschränken und belasten.
Meine beste Freundin, die damals wie auch heute einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben ist, hat mich dann in vielen Gesprächen dazu ermutigt, mir Hilfe zu holen. Anfangs war ich noch skeptisch bekam dann aber sehr zügig einen Therapieplatz.
In vielen Gesprächen und Aktionen arbeite ich nun meine Ängste und Erfahrungen auf. Leider war dieser Schritt noch nicht ausreichend genug, um mir selbst wieder einen halbwegs unbeschwerten Alltag zu ermöglichen. Mitten in dieser Phase wusste ich lange nicht wie es mit meinem Studium weitergehen sollte, da dieses ja einer der große Triggerpunkte für meine Ängste war.
Nach 3 Jahren ein Studium aufzuhören und sich selbst eingestehen, dass es einfach nicht geht, war und ist immer noch hart.
Ich befasste mich dabei auch viel mit dem Thema der zusätzlichen Medikamententherapie, die bei Diagnosen wie meiner oft ratsam ist. Mein Drang nach Sicherheit war nicht gerade einfach um mich ausreichend mit den Medikamenten einzustellen und leider waren es zu Beginn lange die falschen. Mit der Feststellung meiner Diagnosen und der richtigen Medikation ging es aber endlich aufwärts.
Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, ich weiß aber, dass ich glücklicherweise Menschen um mich habe, die immer an mich glauben und mir täglich zeigen, dass es sich lohnt an seinen Ängsten zu arbeiten.
